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Mission – Vision oder Vision – Mission?

By 25. September 2012Mission-Vision, News

Mission – Vision? Oder Vision – Mission? Was kommt zuerst?

Immer wieder wird diskutiert, ob die Mission die Vision bestimmt oder die Vision die Mission. Ist es nun eine „Henne-Ei“-Diskussion, oder ist die Sachlage eine andere?

In dem Theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett findet zwischen den zwei Hauptdarstellern Wladimir und Estragon ein Dialog über das Essen einer Karotte statt. Der eine findet das Karotten, je länger man sie isst, immer besser schmecken, der andere empfindet es genau umgekehrt. Das könnte ein Beschreibungsmerkmal von vielen sein, zur Charakterisierung der gegensätzlich aufgestellten beiden Protagonisten. Doch gleichzeitig beinhaltet der Dialog bei aller Ernsthaftigkeit der von Wladimir und Estragon geführten Diskussion eine gewisse Absurdität. Denn die beiden klären nicht, ob sie es vorziehen, eine Karotte vom Kopfende oder von der Spitze her zu essen. Angenommen die Spitze der Karotte schmecke zarter als das stumpfe Ende und beide ziehen es vor, am jeweils anderen Ende die Karotte mit dem Essen zu beginnen, dann haben die beiden gar keinen unterschiedlichen Geschmack, sondern genau den gleichen.

Abb. 2: Was kommt zuerst? Die Mission oder die Vision?

So ähnlich ist es auch bei der Diskussion „Kommt erst die Mission oder erst die Vision?“. Denn das Wort „Mission“ wird unterschiedlich verwendet. Oft wird über „Mission“ diskutiert, ohne zu klären was der Gesprächspartner unter „Mission“ versteht.

Die Frage „Mission-Vision oder Vision-Mission? – Was muss zuerst entwickelt werden?“ ist also nur zu klären, wenn man herausfindet was „Mission“ für den anderen bedeutet.

Mission als Auftrag: Mission – Vision – Mission

Abb. 3: Mission kommt vor Vision UND nach Vision.

Die einen verwenden die wörtliche Übersetzung „Auftrag“ und meinen damit den ausformulierten Geschäftsauftrag als „Geschäftszweck“ („Was machen wir eigentlich?“), die anderen verstehen darunter den „inneren Auftrag“, zu dem sich die Firma aus ganzem Herzen verpflichtet fühlt („Wozu mache ich das eigentlich?“). Es sind also zwei unterschiedliche Aufträge. Aus unserer Erfahrung kommt die Bearbeitung des „Inneren Auftrags“ vor der Erarbeitung der Vision. Der „äußere Auftrag“, der Geschäftsauftrag, folgt der Vision als Konkretisierung und Fokussierung der Vision. Richtig gestellt müsste die Reihenfolge also heißen „Mission – Vision – Mission“ oder genauer „Mission – Vision -Geschäftsauftrag“.

Mission als innerer Auftrag

Dieser „innere Auftrag“, dem sich das Unternehmen und seine Mitglieder verpflichtet fühlen, drängt sich selbst in die Welt. Menschen, die einen inneren Auftrag spüren (Mission), wollen diesen leben – und sie entwickeln dann entsprechende Vorstellungen, wie diese Zukunft aussehen soll die sie sich gestalten und verwirklichen wollen (Vision). Daher ist es wichtig den „inneren Auftrag“ zu klären, bevor man sich der Vision widmet. Ansonsten hat man zwar eine klare Vision, aber das Herz steht nicht dahinter – und alle wundern sich, warum die Vision, der alle im Team zunächst so enthusiastisch zugestimmt haben, nicht umgesetzt wird. Wenn alle die gleiche Mission haben, ist die „innere Mission“ der Organisation oder des Teams gebündelt und voller Energie. Unternehmen, die den „inneren Auftrag“ klären und dann die Vision daraus ableiten, haben besonders motivierte Mitarbeiter, weil alle das gleiche „Motiv“ haben. Entsprechend leicht verwirklichen diese dann auch die gemeinsame Vision.

Mission als Geschäftsauftrag

Abb. 4: Mission kommt vor Vision. Der Geschäftsauftrag folgt der Vision.

Sind „Mission = innerer Auftrag“ und „Vision“ geklärt, so kommen logischerweise die Fragen „Und wer sind wir dann?“, „Was ist unser geschäftlicher Fokus?“, „Auf was wollen wir uns fokussieren?“, „Wenn wir diese Mission leben und diese Vision verwirklichen, was ist dann der Geschäftsauftrag, dem wir uns verschreiben wollen?“. Nun sind wir bei „Mission = Geschäftsauftrag“. Dieser kann von der Formulierung Ähnlichkeiten zur „Mission = innerer Auftrag“ haben, er kann sogar identisch sein, aber er kann auch ganz anders, nüchtern und sachlich formuliert sein. Die Vision (und andere Rahmendaten aus der Umfeld- und Marktanalyse) fokussiert den ausformulierten Geschäftsauftrag und unterstützt bei der Abgrenzung: „Wer sind wir, was machen wir? Und wer sind wir nicht und was machen wir nicht?“.

Umsetzung von Mission und Vision

Mission und Vision haben unterschiedliche Energien, die sich beide auf die Motivation bzw. Eigenmotivation und entsprechend auch auf die Umsetzung auswirken. „Der innere Auftrag“ als Mission ist der Motor der den Menschen antreibt; die unerschöpfliche Energiequelle die den Menschen vorantreibt. Die Vision, wenn sie entsprechend attraktiv auf den Punkt gebracht wird, hat Anziehungskraft. Die Vision will verwirklicht werden. Der Träger der Vision will die Vision verwirklicht sehen. Es gibt es auch Visionen, die keine motivationale Anziehungskraft haben, z.B. wenn sie zu fremdbestimmt, zu klein, zu groß, zu unrealistisch, zu weit weg ist, wenn sie widersprüchlich ist zu einer anderen Vision, sich mit der Mission im Widerstreit steht oder gegen innere Glaubenssätze oder Werte verstößt. Zweifel an der Vision entziehen der Vision immer Kraft und wirken der Anziehungskraft entgegen. Mission als „Geschäftsauftrag“ hat meist keine motivationalen Aspekte, sondern ist das Geländer der Straße. Sie hilft bei der Fokussierung der Energie der Mission und der energetischen Attraktivität der Vision. Mission (als innerer Auftrag) und Vision wirken daher wie zwei Kräfte zusammen und sind als Motive ein starkes Duo der Motivation. Mission als „Geschäftsauftrag“ hilft, die Kräfte zu bündeln.

„Mission – Vision“ oder „Vision – Mission“? Resümee

In welcher Reihenfolge müssen Mission und Vision entwickelt werden?  „Mission – Vision“  oder „Vision – Mission“? Die richtige Antwort lautet „Es kommt darauf an!“.

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Literatur: 
Siehe auch unsere Artikel:

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Bildnachweis:

Samuel_Beckett: Quelle: Wikipedia/Wikimedia Commons von der Bibliothèque nationale de France; Urheber Roger Pic (hat die Bildrechte zur Verwendung frei gegeben)

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Autor:

Partner für Personalentwicklung Hans-Peter Wellke

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